FAQ Wohnungslosigkeit

Wieso leben so viele Menschen auf der Straße und gehen nicht in die Einrichtungen für Obdachlose? 

Die meisten dieser Menschen wünschen sich eine eigene Wohnung. Doch auf dem Wohnungsmarkt sind sie i.d.R. ohne Chancen. Angeboten wird ihnen eine kommunale Notunterkunft. Leider entsprechen die Unterbringungsangebote nicht immer den individuellen Bedürfnissen der Menschen. Sie ziehen dann das Leben auf der Straße einer Unterbringung in einer Einrichtung vor.
Warum die Menschen sich so entscheiden, hat unterschiedliche Gründe. Viele Einrichtungen haben Regeln aufgestellt, die das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben beschneiden. Dazu gehört in manchen Einrichtungen auch das Alkoholverbot oder das Mitnehmen von Haustieren. Manche wohnungslosen Menschen können oder wollen die Einschränkungen nicht einhalten. Sie müssten auf ihre Autonomie verzichten und das ist manchmal das einzige, was diesen Menschen geblieben ist. 

Wieso gibt es immer mehr junge Leute unter den wohnungslosen Menschen? 

Junge Menschen haben Anspruch auf die besser ausgestattete Jugendhilfe (SGB VIII). Aber hier gibt es zwei Probleme: Viele Jugendämter tun sich schwer damit, Jugendhilfemaßnahmen nach dem 18. Geburtstag zu verlängern. Und viele Jugendliche wollen nicht (mehr) in die Jugendhilfe, sind aber für die Angebote der Wohnungsnotfallhilfe zu jung, die stationären Einrichtungen sind nur für Volljährige vorgesehen. 
Weitere Gründe sind Alltagserfahrungen junger Menschen. Nicht wenige kommen mit den Verhältnissen im Elternhaus nicht zurecht, müssen die Wohnung verlassen oder gehen freiwillig. Den unter 25-Jährigen ohne ausreichendes Einkommen ist es jedoch nur nach Zustimmung des SGB-II-Trägers gestattet, eine Wohnung anzumieten (Hartz IV). Dieser Zustimmung sind enge Grenzen gesetzt. Manche der jungen Menschen nächtigen bei Freunden und Kumpels, um dem Leben auf der Straße zu entgehen. Sie überbrücken ihre finanzielle Notlage durch Gelegenheitsarbeiten oder Betteln. 

Wieso gibt es wohnungslose Frauen, man sieht doch fast keine auf der Straße? 

Der Anteil der Frauen unter den Besuchen in den Hilfeangeboten der Diakonie Hessen liegt bei fast 25 %. Ihr tatsächlicher Anteil wird noch höher geschätzt. Viele wohnungslose Frauen leben in einer Art „versteckter“ Wohnungslosigkeit. Das heißt, sie haben keine eigene Wohnung, kommen aber zeitweise bei Freundinnen oder wechselnden Partnern unter. Oft endet das in einer so genannten „Couchprostitution“. Bei wohnungslosen Frauen lassen sich zwei Gruppen unterscheiden. Zum einen junge Frauen, die bei passenden, auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Angeboten wieder schnell integriert sind und im Hilfesystem nicht mehr auftauchen. Zum anderen ältere Frauen, die häufig in schwierigen, gewaltgeprägten Partnerschaften gelebt haben, nicht oder nur prekär erwerbstätig waren. Sie müssen oft die Angebote der Wohnungsnotfallhilfe in Anspruch nehmen. Für letztere ist es sehr schwierig sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren und passenden Wohnraum zu finden. 

Wieso gibt es getrennte Einrichtungen für Männer und Frauen? 

Zunächst waren die Hilfeangebote und Einrichtungen eher auf Männer ausgerichtet. Hier kam und kommt es immer wieder zu „männertypischem“ aggressivem Verhalten und Pöbeleien. Frauen sehen sich dort verbalen und körperlichen Übergriffen ausgesetzt. Angebote für Frauen sollten einen angstfreien Zugang für Frauen ermöglichen. Durch diese speziellen und differenzierten Angebote kommen mehr Frauen, auch mit Kindern, in Einrichtungen und Beratungen. Daher gibt es auch vermehrt Einrichtungen für wohnungslose Mütter. In den letzten Jahren wurden Mutter-Kind Häuser eröffnet. In Frankfurt und Darmstadt gibt es Übergangswohnheime für Frauen, diese Angebote werden gut genutzt und die Wartelisten sind lang. 

Die Zahl wohnungsloser Menschen steigt stetig.. Welche Gründe gibt es dafür? 

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) geht davon, dass die Wohnungslosenzahlen auch immer weiter ansteigen, wenn sich an den sozialpolitischen Rahmenbedingungen nichts ändert. Die Zuwanderung spielt dabei war eine Rolle, weitaus wichtiger ist jedoch eine verfehlte Armuts- und Baupolitik. Es gibt kaum Angebote an Kleinwohnungen, die auch von der Miethöhe her den Bestimmungen des SGB II entsprechen. In Hessen geht der soziale Wohnungsbestand fortwährend zurück. Zählten 1991 noch 206.000 Wohnungen zum sozialen Wohnungsbestand waren es Ende 2018 nur noch 90.000 Wohnungen. Dies zeigt, wie angespannt die Lage zurzeit ist.

Was benötigen wohnungslose Menschen, um von der Straße weg zu kommen? 

Die Menschen brauchen qualifizierte Unterstützung und Beratung, die genau auf ihre persönliche Situation abgestimmt ist. Meist ist es wirtschaftliche Not, verbunden mit schwierigen persönlichen Lebensumständen, die Menschen auf die Straße treibt. Vor allem brauchen Menschen bezahlbaren Wohnraum. Neben der materiellen, gesundheitlichen und psychischen Not leiden sie auch unter Ausgrenzung und Isolation.